Thema drucken
Alte Werkstätten im Untergrund
Alte Werkstätten im Untergrund

Für den Laien ist es eine simple Tonscherbe, für die Experten ist es weit mehr. Sie haben das Auge für kleine Details, die ihnen Aufschluss über die Kultur und Lebensweise der Kelten geben, die vor über 2500 Jahren in Neuenbürg angesiedelt waren. Textliche Überlieferungen gibt es nicht. „Wir können die Geschichte der Kelten nur verstehen anhand von archäologischen Funden“, sagt Loup Bernard.

Er ist einer dieser Experten und seit drei Wochen wieder mit Studenten der Universität Straßburg für eine Lehrausgrabung am Schlossberg in Neuenbürg. Am terrassenförmigen Nordhang haben sie im Erdreich Scherben, Schlacke, Roheisen entdeckt. Außerdem haben die Forscher in einem unteren Hangbereich Teile von Tontöpfen und einen alten Amboss aus Stein ausgegraben. „Daraus schließen wir, dass das gewonnene Eisen aus dem Hinterland in der Siedlung in spezialisierten Werkstätten zu Werkzeug verarbeitet worden ist“, sagt Grabungsleiter Günther Wieland von der Denkmalbehörde beim Regierungspräsidium Karlsruhe.

Wohnen und arbeiten

Es bestätigt die Forscher in ihrer Annahme, dass am Neuenbürger Schlossberg eine Art großes Logistikzentrum der Kelten existierte. Seit 2003 nehmen die Archäologen das Neuenbürger Erzrevier systematisch unter die Lupe – mit Spitzkellen, Spachteln und Schaufeln. Über 80 keltische Eisenverhüttungsplätze haben sie bisher in der Nähe von Waldrennach freilegen können.

Erste Keramikfunde in den 1930ern rückten den Schlossberg in das Interesse der Archäologen, um mehr über das Leben der Kelten zu erfahren. Die Funde der vergangenen Jahre untermauern die Vermutung, dass zur Keltenzeit der komplette Hang besiedelt war – im oberen Teil mit Wohnbebauung, teils wohlhabender Schichten, im unteren Teil mit Werkstätten.

Geophysikalische Untersuchungen des Schlossbergs haben wie bei einem Röntgenbild gezeigt, dass noch mehr im Boden steckt. Das wollen die Archäologen in den kommenden Jahren genauer erforschen. Ebenso wie den nun entdeckten Befestigungswall, der sich bis ins Tal zieht. All das lässt Wieland darauf schließen, dass die keltische Siedlung in Neuenbürg vor über 2500 Jahren sogar noch größer war als bisher vermutet. Er schätzt, dass dort bis zu 1000 Menschen gelebt haben.

Die Dimension der Siedlung führt zu einer weiteren Überlegung: Gab es im direkten Umland bereits kleinere Dörfer, die die Menschen am Schlossberg mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen versorgten? „Im Neuenbürger Untergrund gibt es noch viel zu entdecken“, sagt Wieland.

Doch zunächst einmal werden die Funde aus der jetzigen Lehrgrabung gewaschen, sortiert, abgezeichnet, veröffentlicht und mit Fundstücken andernorts verglichen. Dabei geben Keramikscherben den Forschern oft mehr Aufschluss über das Leben der Kelten als kostbare Metalle, sagt Loup Bernard.


Quelle: PZ-news.de

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Springe ins Forum:

6,422,411 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang